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8 Highlights vom Weltfahrradforum 2015 in Medellín

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Dieser Beitrag ist auch vorhanden auf: Englisch, Spanisch, Französisch

Das Weltfahrradforum 2015 (WBF4) fand vom 26. Februar bis zum 1. März in Medellín (Kolumbien) statt. Das Forum ist eines der wichtigsten von Bürgern organisierten Events in der Region – es wird auf freiwilliger Basis von den Bürgern konzipiert, organisiert und aufrecht erhalten, um die Nutzung von Fahrrädern in Städten zu fördern.

Dieses Jahr war das Motto “Städte für Alle” und hatte zum Ziel darüber zu reflektieren, wie Städte zum Vorteil aller Bürger neue organisiert werden können und welche Schlüsselrolle dabei das Fahrrad als Mittel für soziale Veränderung und urbane Gerechtigkeit einnimmt.

Knapp 7000 Leute haben an dem Forum teilgenommen und für vier Tage war der “La Plaza Mayor” in Medellín voll mit Aktionen rund um das Thema Fahrrad: Yoga, Kino, Radtouren, Ausstellungen, Buchvorstellungen, Konferenzen und Workshop um nur einiges aber längst nicht alles aufzuzählen.

Mein Terminkalender für diese vier Tage war komplett voll und trotzdem konnte ich nicht bei allen Events dabei sein. Das Programm war umfangreich und bot unzählige Highlights. Hier sind nun acht der besten Momente dieser Veranstaltung:

Fahrradbüro für Medellín

Dieser Event wurde vom Bürgermeister von Medellín, Anibal Gaviria, eröffnet. Er begrüßte alle Anwesenden und bekannte sich dazu, die Fahrradmobilität in der Stadt zu erhöhen. Gleichzeitig kündigte er an, ein neues Fahrradbüro in Medellín zu schaffen. Die Schaffung solch einer Einrichtung ist entscheidend, um das Thema Fahrrad auf die öffentliche Agenda zu setzen und damit die Fahrradmobilität in Medellín weiter voranzubringen.

Veröffentlichung des Buchs “Einmal um die Welt mit 80 Fahrrädern”

Ein Buch, das von dérive Lab herausgegeben wurde und 80 Fotografien und etliche Aufsätze von Experten, Akademikern, Aktivisten und Radfahren enthält. Alle Aufsätze sind in zwei Sprachen: Spanisch und Englisch. dérive Lab organisierte außerdem eine Outdoor-Ausstellung mit diesen 80 Fotografien und schuf so eine tolle Atmosphäre auf dem Ausstellungsgelände.

Präsentation des IDB-Führers: Fahrrad-Inklusion in Lateinamerika und der Karibik

“Despacio” Foundation präsentierte einen Leitfaden zur aktuellen Situation des Fahrrads im städtischen Verkehr und verglich dabei verschiedene lateinamerikanische und karibische Städte. Das Buch ist ein Referenzdokument für Entscheider und Techniker, um Fahrrad-inklusive Politik in Städten zu fördern. Der Leitfaden ist hier erhältlich.

Session: “Die Fahrrad-Universität”

Diese Session wurde von Jaime Ortiz, Mitgründer von “Ciclovía“ in Bogotá, moderiert. Die Teilnehmer waren Anna Petrone von der Universität Maryland, Peter Armstrong von der Universität Wisconsin / Milwaukee und ich selbst von Cities for us. Die Session zeige verschiedene Ansätze, um das Fahrrad als Transportmittel im universitären Kontext zu fördern und nutze dafür Beispiele aus den USA und Europa. Es gab sowohl akademische als auch praktische Perspektiven dazu, wie Fahrräder an Unis genutzt werden und es war spannend zu sehen, dass die Probleme und Herausforderungen überall gleich sind. Ich konnte darüber hinaus meine berufliche Erfahrung mit dem Bicicampus-Programm aus Barcelona schildern.

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Session: Bottom-Up VS Top-Down

In dieser Session diskutierten Teilnehmer aus Brasilien, den USA, Russland und Deutschland zwei gegensätzliche Perspektiven darauf, wie man das Radfahren fördern kann: entweder durch von Graswurzelbewegungen imitierte Aktionen oder durch stattliche Anreize mit seinem institutionellen Apparat. Was mir am besten gefallen hat, war das Motto der „Critical Mass“ – Bewegung in Brasilien: + Love – Motor

Plenum des ehemaligen Bürgermeisters Enrique Peñalosa

Das war zweifelsohne eine von allen Teilnehmern heiß ersehnte Session. Enrique Peñalosa ist einer der renommiertesten Kenner urbaner Themen. Dieses Mal hat der ehemalige Bürgermeister von Bogotá die Bedeutung der Fahrradinfrastruktur unterstrichen. Und für ihn gibt es dabei keine Diskussion was zuerst kommt: die richtige Infrastruktur wird mehr Radfahrer anziehen und Städte sollten nicht auf eine ausreichenden Anzahl an Radfahrern wahrten, die nach mehr Fahrradwege verlangen.

Plenum des ehemaligen Bürgermeisters Antanas Mockus

Und noch ein Plenum mit vielen Teilnehmern von einem weiteren ehemaligen Bürgermeister Bogotás. Das Thema seiner Rede war: „Das leben ist heilig. Das Leben von Radfahrern in heilig.“ Zusätzlich hinterließ er uns noch diesen wundervollen Satz: “Das Fahrrad steht für Unabhängigkeit und Selbstständigkeit“.

Organisation

Die Organisatoren und ehrenamtlichen Helfer des Weltfahrradforums haben enormes geleistet, damit dieser Event bestmöglich wird. Eine außergewöhnliche Gruppe an Leuten, die jederzeit zur Zusammenarbeit und Unterstützung bereit sind. Herzlichen Glückwunsch und vielen Dank an das WBF4 Team und seine Helfer, die diesen Event unvergesslich gemacht haben.

Das Forum ist ein höchst motivierendes und inspirierendes Event, welches zudem Raum gibt, um über alternative nachhaltige Stadtmodelle nachzudenken. Ich bin mir sicher, dass viele Leute mit einer Menge Ideen zur Nutzung von Fahrrädern in ihrem eigenen Leben nachhause gefahren sind.

Diana Martínez ist Gründerin und Herausgeberin von Cities for us. Sie studiert City Design und Social Science an der London School of Economics and Political Science. Ihr könnt ihr hier auf Twitter folgen.