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Curitibas 12-Punkte-Plan für eine fahrradfreundlichere Stadt

curitiba

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Curitiba hat die Details zum Cicloviário-Plan am 6. September 2013 veröffentlicht. Die größte Neuigkeit ist aber nicht die 90 Millionen Dollar Investition, um bis 2016 in der Hauptstadt mehrere hundert Kilometer neuer Fahrradwege zu bauen. Auch ist es nicht die Schaffung von ausgewiesenen Fahrradwegen auf der 7th Avenue, einer Hauptverkehrsader der Innenstadt. Und es ist ebenfalls nicht der Plan für ein „Fahrrad-Mikronetz“ im Industriegebiet von Curibita, das den Arbeitern, die das Fahrrad als Fortbewegungsmittel nutzen, entgegen kommen soll.

Die wirkliche Neuigkeit ist der Plan selbst und all das wofür er steht.

Nun hat Curitiba also einen Fahrrad-Plan, angekündigt als “Maßnahmenpaket”. In der Politik neigt man dazu Maßnahmenpakete nur zu schnüren, wenn es einen Notfall gibt oder kritisch ist. Man hört von „Paketen“ für die Wirtschaft, die Bildung, die Gesundheit und die öffentliche Sicherheit. Aber nun hat das Fahrrad ein Paket mit 12 Maßnahmen erhalten, die vom Ausbau der Infrastruktur bis zur Schaffung eines ‚Fahrrad-Platzes“ reichen. Hoffentlich wird das genug sein, um das Konzept der Multimodalität in den Mittelpunkt der Stadtplanung von Curitiba zu bringen.

Die zwölf Hauptpunkte des Cicloviário-Plans sind folgende:

  1. Ein Fahrrad-Mikronetz, bei dem 19,5 km Straße verschiedene Teile der Stadt verbinden. Deadline: 2014.
  2. Straßenberuhigungen auf einer Strecke von 6,3 Kilometern, mit Kreuzungsbereichen, an denen Fahrradfahrer Vorrang haben. Deadline: 2014.
  3. Fahrradverleihstationen und getrennte Fahrradparkplätze. Deadline: 2016.
  4. Ausbau der bestehenden Fahrradwege und Fahrrad-Sharing-Einrichtungen. Deadline: 2016.
  5.  Fertigstellung eines 47 Kilometer langen Stadtparkrundweges, der acht Stadtparks miteinander verbindet. Deadline: 2014.
  6. Fertigstellung von Fahrrad-Infrastrukturprojekten, die bereits in der ganzen Stadt in vollem Gange sind.
  7. Fahrradwege auf der Avenida Marechal Floriano Peixoto (3,84 km), der Green Line BRT Route (1,76 km) und auf der Avenida Comendador Franco (19,2 km). Deadline: Oktober 2013.
  8. Schaffung eines Fahrrad-Platzes in der Innenstadt von Curitiba. Deadline: 2014.
  9. Errichtung von 25 Fahrradparkplätzen auf dem Bürgersteig. Deadline: 2013.
  10. Errichtung von 20 Fahrradparkplätzen an Busstationen in der ganzen Stadt. Deadline: 2016.
  11. Veröffentlichung eines ‚Handbuchs zur Radfahr-Infrastruktur‘, welches die technischen Richtlinien und vereinheitlichten Standards und Abläufe dokumentiert. Oktober 2013
  12. Verabschiedung eines Gesetzes, laut dem 5% der Parkplätze in Wohn- und Gewerbegebieten für Fahrräder und Motorräder reserviert sein müssen. Deadline: In Vorbereitung.

All das zeigt, dass Curitiba ein neues Kapitel der Stadtplanung betritt, ein Kapitel, in dem das Fahrrad mehr ist als nur ein Symbol. Während der Bürgermeister bei seinem Weg zur Arbeit auf dem Fahrrad fotografiert wird, arbeiten Techniker an ihren Reißbrettern, treffen sich Gemeindesekretäre mit Fahrrad-Aktivisten (oder cicloativistas) und bekommt die Verkehrsabteilung ein Sondergremium, dass sich um die nicht-motorisierte Mobilität kümmert. Der Fortschritt ist unbestreitbar. Der Plan verschweigt nicht seine Ambitionen, aber gleichzeitig verspricht er nicht ein Amsterdam in Brasilien zu schaffen.

Allerdings gibt es sicherlich Punkte an dem Plan, die ‚nachgebessert’ werden müssen. Nichtsdestotrotz, die Stadt hat gezeigt, dass sie offen ist für einen Dialog und zielgerichtet mit dem Feedback umgeht. Dennoch sind einige Leute enttäuscht, dass sie keinen Fahrradweg bekommen, der ihre Haustür mit ihrem Arbeitsplatz oder dem Studienort verbindet. Andere werden traurig sein, weil die Straßen weiterhin von den Autos aufgeteilt werden, und manche Fahrradwege müssen nach wie vor mit Fußgängern geteilt werden. Aber die Vermenschlichung von Städten bezieht auch das Teilen von öffentlichen Plätzen mit ein. Einfach blindlings nach strikter Trennung zu rufen ist wohl der am wenigsten konstruktive Weg.

Das Gefühl in Curitiba ist, dass die Stadt etwas von seinem innovativen und mutigen Geist auf die Stadtgestaltung anwenden sollte. Wenn die präsentierten Pläne wirklich nicht nur auf dem Papier bleiben, dann werde ich als Bürger zufrieden sein. Als Fahrradfahrer werde ich mit einem größeren Gefühl der Sicherheit und Gelassenheit fahren. Als cicloativista werde ich weiterhin darauf drängen, dass es noch besser wird.

 Der Artikel wurde ursprünglich von Alexandre Costa in Portugiesisch auf Gazeta do Povo veröffentlicht.