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Den Los Angeles River mit Bier retten

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Wie viele andere Menschen auch hat Tony Yanow den Los Angeles River nicht zuerst in echt gesehen, sondern im Kino als er Grease schaute. Und wie viele andere auch hat er nicht erkannt, dass es sich um einen Fluss handelt. Durch die gewaltigen Betonwände und -säulen sieht er eher nach einem gewaltigen hochtechnologischen Entwässerungskanal aus. Er war sich wohl kaum darüber bewusst, dass er viele Jahre später an der Restaurierung dieses Betonmonsters mitarbeiten würde. Und zwar mittels einer Arbeit die er am meisten liebt: dem Bierbrauen.

Der Los Angeles River hat eine lange und bewegte Geschichte. Wegen des geringen Regens in der Gegend um LA ist er normalerweise die meiste Zeit ausgetrocknet. Aber genauso ist er anfällig für plötzliche Sturzfluten. In den 1930ern verwüstete eine Flutserie die junge, aufstrebende Stadt. Es musste etwas passieren und so wurde beschlossen, dass nicht die Stadt, sondern die US Army Corps of Engineers ein gewaltiges Bauprojekt unternehmen, um solche Fluten zukünftig durch ein innovatives Design zu vermeiden: ein komplett einbetoniertes Flussufer.

Und obwohl das Projekt mehr als zwanzig Jahre bis zur Fertigstellung benötigte, wurde es als Erfolg gefeiert. Denn es reduzierte das Flutrisiko in hohem Maße und erhöhte das Fassungsvermögen des Flusses deutlich. Es gab nur ein Problem: der Fluss war unglaublich hässlich und verschmutzt.

Als Tony nach Los Angeles kam, hatten die Anwohner sich schon an die Betonwände des Flusses gewöhnt und als unschöne aber unveränderliche Realität akzeptiert. Er lebte und arbeitete entlang des LA Rivers und eröffnete eine Bar, die sich dem qualitativ hochwertigen Handwerksbier widmet, sowie später eine zweite Bar im Echo Park. Schließlich begann er ebenfalls den Fluss als Teil der Stadt zu akzeptieren.

Im Jahr 2009 kam mit der Eröffnung seines eigenen Restaurants und der Brauerei Golden Road der große Umschwung. Er und seine Partner entschieden sich in der Nähe des Flusses zu bleiben, auf einem Gelände, dass nur ein paar hundert Fuß entfernt vom Betonufer nahe Burbank lag. „Es war eine spannender Standort, es gab dort eine Menge Aktivitäten“, sagt Tony. Nichtsdestotrotz wurde der Fluss weiterhin als Schandfleck betrachtet.

Als Tony seine Geschäfte in der Brauerei aufnahm, begannen Aktivisten anderswo in der Stadt von einem schöneren, weniger betonummantelten LA River zu träumen. Sie begannen ihre Kampagne mit einem ungewöhnlichen Aufruf zum Handeln: Eine Kajak-Expedition den Fluss abwärts. Letztendlich führte dies dazu, dass die EPA im Jahr 2010 den Fluss als eine „traditionell befahrbare Wasserstraße“ auszeichnete,  was die Möglichkeit eröffnete den Fluss zu generalüberholen.

river beer

Der Anstoß für die Wiederherstellung des Flusses begann an Fahrt aufzunehmen. Sie erhielten Unterstützung vom Bürgermeister Antonio Villaraigosa und seinem Nachfolger Eric Garcetti, sowie einer Reihe gemeinnütziger Vereinen. Ein paar bescheidene Revitalisierungsbemühungen wurden gemacht in dem ein paar lokale Pflanzen und Tierarten wiedereingeführt wurden. Aber der Traum blieb weit entfernt. Viele sahen in dem Fluss noch immer einen hässlichen, verschmutzten Betonalptraum.

Tony hat nie daran gedacht viel für den LA River zu tun, bis Omar Brownson von der LA River Corporation, einem Verein dessen Ziel es ist die öffentliche Unterstützung zur Umwandlung des Flusses in einen gigantischen Grünzug  zu erhöhen, auf ihn zukam. Sie hatten Ihn ausgewählt wegen der Nähe seiner Brauerei zum Fluss. Mit ihrem Plan konnten sie ihn überzeugen. Teilweise aus egoistischen Gründen. Denn den Fluss in einen tragfähigen öffentlichen Raum zu verwandeln würde auch der Brauerei helfen neue Kunden zu gewinnen. Aber es gab auch persönliche Gründe. Er ist nun seit Jahrzehnten in dieser Gegend und hat ein echtes Interesse daran den Ort zu verschönern.

Um ihre Bemühungen zu unterstützen, hatte er eine pfiffige Idee. Anstatt nur direkt etwas dazu beizutragen, wird er mit seinen Braumeistern ein besonderes Bier kreieren, um Kapital für die Gruppe einzuwerben. Das Bier heißt zu Ehren des „2020 Greenway“- Plans der LA River Corporation „2020 IPA“.

Das Bier wird in großen Dosen verkauft und zeigt eine Darstellung des Plans für den Fluss. Für das Design hat Tonys Brauerei mit dem Architektenbüro Lean Arch aus LA zusammengearbeitet. Diese haben das Design kostenfrei zur Verfügung gestellt um die Sache zu unterstützen. Ein Dollar von jedem verkauften Bier geht zur Unterstützung an die LA River Corporation und bisher war das Bier unglaublich erfolgreich. Die Produktion begann Anfang Februar und war schon Ende des Monats ausverkauft. Die Brauer produzieren daher gerade eine zweite Charge. Aber das Bier bringt nicht nur Geld, sondern vor allem Aufmerksamkeit. „Viele Menschen die das Bier in meinem Restaurant trinken haben noch nie von den Bemühungen zur Revitalisierung des Flusses gehört“, sagt Tony. „Das Bier bringt sie dazu darüber zu reden.“

Für Ihre Revitalisierungspläne bis 2020 denkt die LA River Corporation in großem Stil. Sie will, dass der LA River Grünzug zur Antwort auf den New Yorker Highline Park wird. Sie haben sogar Kontakt zu einigen Schlüsselfiguren bei der Gestaltung des Highline Parks aufgenommen.

Das zu schaffen wird allerdings schwer. Denn erst kürzlich hat sich Bürgermeister Garcetti mit Spitzenbeamten in Washington getroffen, um auf einen erfolgreicher designten aber teureren LA River Plan zu drängen. Die Offiziellen der Army Corps of Engineers, die Behörde, die noch immer für den Fluss verantwortlich ist, war nur wenig begeistert. Sie sollen bis Frühjahr einen finalen Vorschlag für die Flussvorhaben vorlegen.

Auch wenn das Schicksal des Flusses letztendlich durch Beamte am anderen Ende des Landes bestimmt wird, bedeutet eine starke Communitybewegung, dass es die Hoffnung gibt einen besseren Plan zu verwirklichen. Das Bier das Tony verkauft, wird, so erfolgreich es auch ist, nicht genug Geld einbringen um die gesamte LA River Revitalisierung zu finanzieren. Aber er könnte etwas noch besseres schaffen: Aufmerksamkeit für und Schwung in ein Projekt bringen, dass seine Gemeinde verändern wird, indem die natürliche Schönheit des Flusses wiederhergestellt wird und dadurch die gesamte Stadt zu einem besseren Ort wird.

Drew Reed ist Online-Produzent und Communityaktivist mit Spezialisierung auf nachhaltiges Verkehrswesen. Er lebt in Buenos Aires.

Bild von independantman