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Grüne Gebäude: Wohnblocks durch Algen mit Strom versorgen

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Von Fionán O’Muircheartaigh auf Green Futures

Die zwei südlichen Fassaden werden von einer Hülle aus Bioreaktoren bedeckt, durchsichtige Behälter, die eine kontrollierte Umgebung für eine Algenfarm darstellen. Wenn die Alge dem Sonnenlicht ausgesetzt ist, beginnt die Photosynthese und sie absorbiert CO2 während ihres Wachstums. Nährstoffe und CO2 zirkulieren durch den Bioreaktor, um das Wachstum zu fördern. Regelmäßig werden die Algen gesammelt, in einer nahegelegenen Biomassefabrik fermentiert und anschließend zur Energiegewinnung verbrannt.

Das BIQ-Gebäude besteht aus 15 Apartments und hat seine Türen im April letzten Jahres geöffnet. Seine Hauptenergiequelle ist Wärmerückgewinnung, bei der die während der Photosynthese im Bioreaktor nicht verwendete Energie wieder aufgefangen wird. Die Fassade dient auch als ein natürliches Thermostat: üppiges Algenwachstum im Sommer hält das Sonnenlicht draußen.

Energiegewinnung durch die Photosynthese von Algen ist natürlich nicht neu. Aber das Projekt ist das weltweit erste mit einer in großem Stil angelegten Bioreaktor-Fassade.

Die Technologie kommt von SSC Strategic Science Consult, die das Gebäude in Zusammenarbeit mit Arup, einer Design-, Energie- und Beratungsfirma entwickelt hat. Außerdem waren Colt International, eine Projektmanagementfirma, und Otto Wulff, eine Hamburger Baufirma, daran beteiligt.

Vorbehaltlich weiterer Tests beansprucht SSC eine Umwandlungseffizienz (die Menge an Licht, die auf die Fassade trifft und dann in Energie umgewandelt wird) von 10% für Biogas und 38% für Wärme – zusammen fast 50%. Das steht im Vergleich zu einer typischen Effizienz von ca. 15% eines Solarpaneels. Wärme und Energie aus den Bioreaktoren werden ebenfalls durch eine Solaranlage auf dem Dach und ein Wärmespeichersystem im Keller ergänzt. Die Erbauer des Gebäudes behaupten, dass das Gebäude 100% seines Energiebedarfes selbst erzeugen kann.

Das größte Hindernis für eine weitere Verwendung der Technology ist aber der Preis. Von den 5 Millionen Euro, die von der deutschen Bundesregierung und IBA Hamburg (eine internationale Bauausstellung) in das Projekt investiert wurden, sind über 1,3 Millionen Euro für die Finanzierung des Bioreaktors notwendig gewesen. Nichtsdestotrotz ist Martin Kremer als Geschäftsführer von SC zuversichtlich, dass die Technologie wettbewerbsfähig werden kann. „Wir brauchen eine Standardisierung der Hardwareproduktion um die Kosten zu senken“, sagt er.

Die Effizienz von Algen-Gebäuden aufzuzeigen, könnte nicht nur der Beweis für eine Quelle der nachhaltigen Energieproduktion sein, sondern laut Jan Wurm, dem europäischen Forschungsleiter von Arup,  auch unsere zukünftigen Städte prägen. „Wenn Mikroalgenfassaden funktionieren, dann können wir die städtische Umwelt verändern und Architekten mit einer neuen Quelle der Inspiration versorgen.“

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Der Artikel erschien ursprünglich auf Green Futures, dem Magazin der unabhängigen Nachhaltigkeitsexperten vom Forum for the Future

Bilder von IBA Hamburg