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Ist Kaufen ein Zeichen der Einsamkeit in unseren Städten?

shopping market

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Meine beiden Nachbarn Allan und Fiona – beide seit kurzem geschieden und jeder mit einer prestigeträchtige Karriere hier in der Stadt – verbringen jedes Wochenende damit shoppen zu gehen, alleine. Die neuesten Gadgets sind Designerklamotten und sogenannte Gelegenheitskäufe (Sachen, die man „nur für den Fall, das man sie mal braucht“ kauft!), für die sie ihre Zeit und ihr Geld aufwenden. Ihre Leben sind ein regelmäßiger Kreislauf auf der Suche nach dem was größer und besser ist, dem Finden neuer Einkaufszentren, dem Kauf von Dingen, um Leute zu beeindrucken, die sie nicht mal mögen und dem Wegschmeißen von „Altem“, um Platz für Neues zu schaffen.

Und sie sind nicht alleine.

Meine Kollegin Carol ist alleinerziehende Mutter mit Kindern im Teenageralter und erzählte mir, dass sie jeden Samstagnachmittag ins Einkaufszentrum fährt, egal ob sie neue „Dinge“ braucht oder nicht. „Es ist eine Angewohnheit“, sagt sie, „eine Sucht, ein Lebenswandel und das einzige was ich mache“.

Manche Forscher gehen davon aus, dass Einsamkeit doppelt so tödlich ist wie Fettleibigkeit.

  • Jüngste Studien von Independent Age offenbarten, das massive Einsamkeit vor allem unter jungen Erwachsenen und über 50jährigen weit verbreitet ist.
  • 20% der älteren Menschen berichteten, das der Fernseher ihnen die meiste Gesellschaft leistet.

Das Fernsehen zelebriert das Streben nach Materiellem und unsere Sucht nach Ruhm und Reichtum. Es ermöglicht uns zuhause zu bleiben und bestärkt unseren Wunsch zu Kaufen anstatt unserer Leidenschaft und unseren Hobbies nachzugehen. Und vermutlich ist es auch mit ein Grund dafür, dass eines von fünf Kindern in Großbritannien sagt „es wolle reich werden“.

Daher frage ich mich: „Ist Kaufen ein Zeichen für die Einsamkeit in unseren Städten?“

Ich denke wahrscheinlich schon.

Ich kaufe ein ganzes Jahr lang nichts Neues oder aus dem Second-Hand-Laden. Ich habe gerade den  zehnten Monat meines 12-monatigen Lifestyle-Experiments geschafft und es gibt absolut nichts, was ich will, brauche oder mir wünsche. Ich schätze Tagesausflüge und schöne Momente mit meiner Familie und meinen Freunden deutlich mehr als funkelndes „Zeug“ aus der Shoppingmall. Und es hat mein lebenslanges Vertrauen bestärkt, das ich keine materiellen Dinge brauche um glücklich zu sein – weniger ist wirklich so viel mehr.

Nichts macht mich glücklicher als ein Tag auf North Stradbroke und dort zu spazieren, zu picknicken, zu surfen und zu quatschen!

Also was können wir tun, um das Kaufen aufzugeben und die Einsamkeit auszumerzen?

1. Lasst uns entdecken, was vor unserer Haustür liegt – mit Freunden die wir noch gar nicht kennen

Vor einigen Jahren hat mein Kumpel Jon Giles Style Over Speed gegründet. Drei oder viermal im Jahr an einem Freitagabend kommen um die 100 Leute zusammen, ziehen sich schicke Kleider und Anzüge an und fahren durch die Innenstadt von Brisbane. Sie entdecken, was vor ihrer Haustüre liegt (öffentliche Räume, Cafés und Bars), sie schließen neue Freundschaften und haben viel Spaß ohne dabei Geld auszugeben.

2. Lasst uns spielen, umsonst, mit Fremden

Meine Mitbegründerin von Lazy Sunday Cycle Amy Saunders-Grey fördert leidenschaftlich gerne den Austausch zwischen Menschen unterschiedlicher Generationen, Kulturen und sozio-kultureller Hintergründe. Sie gründete die Games Night @ King George Square, um Barrieren in der Gesellschaft zu überwinden. Einmal im Monat können riesige Brettspiele gespielt werden – umsonst, von jedem und mit jedem. Amy und ihr Vater David haben kein großes Budget, aber was sie bewiesen habe ist, dass Menschen sich nach Interaktion sehnen und das Bedürfnis haben Teil von etwas Spaßigem zu sein. Ich denke, dass ist der Grund, warum mit Hilfe von Social Media mehrere hundert Menschen bei jedem dieser Events dabei sind.

3. Lasst uns “aufkreuzen” und mitmachen

In einen nicht so makellosen Park in Berlin lockte Joe Hatchiban mit seiner Idee eine Masse von mehr als 3000 Leuten… und das war noch bevor die Karaoke begann. Seit dem Winter 2009 nutzt Joe tragbare, batteriegetriebene,  auf einem Lastenfahrrad aufgestellte Boxen, um den Leuten dabei zu helfen ihre innere Rampensau zu entfesseln. Der wahre Grund, warum die Menschen jeden Sonntagnachmittag wieder zur Bearpit Karaoke kommen, ist nicht, weil sie keinen Zugang zu iTunes haben. Es ist, weil sie die Aufregung spüren wollen Teil von etwas Spaßigem zu sein, wegen dem unterstützenden Applaus von Peer-to-Peer-Aufführungen und den zufälligen Verbindungen zu Menschen, die sie normalerweise nicht treffen würden – und das alles umsonst!

Das hört sich alles so einfach an, oder?

Wenn wir das Shoppen wirklich aufgeben und die Epidemie der Einsamkeit aufhalten wollen, dann müssen wir aufhören nach dem Größer und Besser zu suchen, keine Dinge mehr kaufen, um Menschen zu beindrucken die wir nicht kennen oder nicht mögen und einen Strich darunter ziehen „Altes“ rauszuschmeißen, um Platz für Neues zu machen. Lasst uns den Fernseher ausschalten, rausgehen und auf interessantere Dinge konzentrieren. Lasst uns auf Menschen und nicht auf Produkte konzentrieren. Lasst uns Menschen lieben und Dinge nutzen und lasst uns die Dinge in unseren Städten wahrnehmen, die kostenlos sind. Und letztendlich, lasst unseren Kindern nicht beibringen reich zu werden, sondern sie lehren glücklich zu sein, damit sie wenn sie aufwachsen den Wert von Dingen kennen, nicht den Preis.

Stimmst du mir zu? Was inspiriert dich? Welche spannenden und kostenfreien Events sind dir bisher begegnet?

Mein zweites Buch “Spent – 7 simple steps to quit buying and change your life forever” kommt im Dezember 2014 in den Verkauf (E-Book ungefähr 2,99$). Um dein persönliches Exemplar vorzubestellen schick mir bitte eine E-Mail.

Dieser Eintrag wurde zuerst auf My Making Money Magazine veröffentlicht. Bild von Prayitno