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Kann Detroit eine Windkraft-Wirtschaft entwickeln?

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Eine Windkraftanlage mitten in Detroit zu bauen ist einfacher gesagt als getan. Es scheint solch eine unlösbare Aufgabe, dass es die lokal verbreitete Meinung völlig auf den Kopf stellt. Die Arbeitervororte von Detroit integrieren große alternative Energieprojekte in ihren Alltag, während die Hochschulstädte nach dem Motto „nicht vor meiner Haustür“ dem Nichtstun erliegen.

Beispielsweise haben die Verantwortlichen der staatlichen Schulen in Ann Arbor Anfang des Jahres ein Vorhaben zum Bau kommerzieller Windkraftanlage auf der Pioneer High School verworfen. Sie führten die Ängste vor potentiellen Wartungsproblemen, einem Mangel an Energieproduktion und vor dem Herunterfallen von Eis an. Die Entscheidung führte dazu, dass nun fast 1 Millionen US-Dollar an Bundesmitteln in der Schwebe sind. Die Bewohner Ann Arbors Einwohner äußerten sich auch zu einem Solarpark, der auf dem Campus der Universität von Michigan errichtet wurde.

Vergleich das mal mit Taylor, das seine eigene Windkraftanlage 2009 auf der Heritage Park Petting Farm errichtet hat. Die Windturbine und ein paar Solarpaneels in der Nähe sorgen nun für knapp 40% der von dem Streichelzoo benötigten Energie. Anwohner nennen sie Turby. Und es gibt keine Berichte von auf Passanten herabregnendem Eis. Southgate hat Solarpaneels auf seinen Polizeistationen und der Bücherei aufgestellt. Sie sind Teil der städtischen Bemühungen, den Energieverbrauch bis 2015 um 25% zu senken.

„Du schaust dich um, und es gibt fast jeden Tag eine neue Ölkatastrophe,“ sagt Robert Kulick, Vorsitzender von CRESIT Energy, das verantwortliche Unternehmen für Taylors Windkraftanlage und Southgates Solarpaneels. „Aber wir können keine Windkraftanlage aufstellen, weil sie vielleicht einen Vogel umbringen könnte oder vielleicht nicht schön aussieht.“

Realisierbarkeit

DTE Energy realisiert Projekte für erneuerbare Energien im Wert von 2 Milliarden US-Dollar. Sie  reichen von der Solarenergie bis zum Auffangen von Deponieabgasen, und sie sind überall in Michigan zu finden. Aber keine Alternative generiert annährend so viel Energie wie Wind, der 96% des Portfolios an erneuerbaren Energien ausmacht.

DTE Energy besitzt Windkraftanlagen in ganz Michigan, aber die größte Konzentration an Windparks findet sich in den Daumen des Große-Seen-Staates. Stell dir Ackerland vor, bei dem sich die Felder soweit erstrecken wie das Auge reicht. Es ist eine der windigsten Gegenden, was der entscheidende Faktor für die Standortwahl von Windkraftanlagen ist. Die südöstlichen Winde Michigans sind nicht so stark.

Es ist außerdem von Vorteil, dass dort weniger Menschen leben. Das bedeutet, dass die Windräder höher gebaut werden können, was wiederum zur Nutzung stärkere Winde führt, ohne die Gefahr, dass etwas herunterfällt. Das bedeutet aber nicht, dass der Bau von Windparks eine totsichere Sache ist. Beschwerden über Lärm, Flimmern und Sicherheit sind häufige Streitpunkte.

„Typischerweise deuten bereits die Bauvorschriften für die jeweilige Gemeinde darauf hin, wie hoch die Akzeptanz für solche Projekte ist“, sagt Dave Harwood, Leiter Erneuerbare Energien bei DTE Energy. Er fügt hinzu, dass je mehr Hürden für die Entwicklung eines alternativen Energieprojekts genommen werden müssen, umso höher auch die Kosten sind – was manchmal dazu führt, dass Projekte aufgegeben werden.

Hürden multiplizieren sich in städtischen Gegenden. Stell dir vor offene Flächen zu finden, die groß genug sind, um kommerzielle Windräder zu betreiben und ohne das die Gefahr von herabfallenden Gegenständen besteht. Manchmal ist es einfach deswegen, weil es in Städten üblicherweise mehr Vorschriften gibt als in Gemeinden und weil die Bevölkerungsdichte höher ist.

“Je stärker man sich einem Bevölkerungszentrum nähert, auf desto mehr Meinungen trifft man – nicht notwendigerweise negative.“, sagt Aaron Champion als Projektleiter bei Clean Energy Coalition. Er stimmt außerdem zu, dass lokale Vorschriften häufig eine signifikante Rolle dabei spielen, wo alternative Energieprojekte die heimische Landschaft verändern dürfen.

„Die Entwicklung von Windenergie findet häufig in Staaten statt, die eine optimierte Zulassungsmethode anwenden.“, sagt Champion.

Freizone für alternative Energien

Wenn man Richtung Flughafen fährt, dann sieht man Windräder die Straße säumen – häufig drehen sie sich mit mäßigem Tempo. Es sind nicht die typischen Windräder mit drei Blättern und ein paar hundert Fuß über dem Boden. Diese vertikal-achsigen Turbinen haben Zylinder, die sich nur knapp 30 Fuß über dem Boden drehen.

Die Leitung der Wayne County Flughafenbehörde hat 2010 die von einer in Michigan ansässigen Firma gebauten Windspire-Turbinen an der Nord- und Westseite des Flughafens aufgestellt. Jede Turbine produziert ungefähr 2000 Kilowatt Strom jährlich. Zusammen produzieren sie knapp 40000 Kilowatt pro Jahr, wodurch der Flughafen jährlich um die 3000 US-Dollar spart.

“Das ist nicht viel, aber es ist ein guter Ausgleich.“, sagt Ali Dib, der Leiter für Infrastruktur und Technik bei der Wayne County Flughafenbehörde. Er fügt hinzu, dass sie nicht genug Energie produzieren, um ihre Kosten zu rechtfertigen, aber sie spielen eine entscheidende Rolle bei der Verbesserung der CO²-Bilanz des Flughafens.

“Das bedeutet nicht, dass sie nicht wertvoll sind.“, sagt Dib. „Wenn die Technologie sich erstmal weiterentwickelt, dann werden sie eine aussichtsreiche Zukunft haben.“

Der Flughafen ist außerdem gerade dabei einen Solarpark auf den leeren Flächen in der Nähe der Landebahnen zu errichten – sie können weitere fünf Megawatt zur Stromproduktion beitragen. Dib plant das Projekt diesen Sommer auszuschreiben.

Ein wichtiger Grund, warum diese Projekte überhaupt machbar sind und in einem beschleunigten Verfahren ausgeführt werden können, ist, weil Dib für die Umsetzung nur die Zustimmung des Vorstands vom Wayne County Flughafen benötigt. Der Flughafen hat sein eigenes, privates Stromvertriebsnetz, weshalb der Strom in großen Mengen bei DTE Energy einkauft wird. Je mehr der Flughafen selbst produzieren kann, umso besser für ihn unterm Strich.

“Mein Betrieb läuft 24/7. Ich brauche ständig Energie,” sagt Dib. Er ergänzt, dass er mal 6 Cent pro Kilowattstunde bezahlt habe. Heute zahle er an die 9 Cent. Und je mehr er selbst produziert, desto mehr kann er die Rechnung wieder ausgleichen.

Jon Zemke ist Herausgeber bei Metromode (Schwerpunkt Innovation & Jobs), wo der Artikel ursprünglich erschienen ist. Außerdem ist er Redaktuer bei Concentrate und Model D.

Bilder von Andrea_44