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Partizipative Städte: Bürgerbeteiligung durch “Verschwörungsschuppen”

potting shed

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Der Geräteschuppen ist bekannt als Ort, an den mürrische, alte Männer gerne für einige Zeit flüchten. In letzter Zeit wurde die Idee des ‚Schuppens‘ aber von Organisationen wie Age UK und Mensheds Australia aufgegriffen und als Ort interpretiert, an dem Männer unter Leute kommen und etwas für Gesundheit und Wohlbefinden tun können.

Ich würde für London gerne eine etwas andere Idee vorschlagen: den Verschwörungsschuppen (Erläuterung s.u.). Kein Fluchtort, sondern einen Ort, an dem sich Bürger aller Altersklassen und sozialen Schichten und unabhängig vom Geschlecht treffen können. Um sich mit der Gesellschaft um sie herum zu beschäftigen und zu aktuellen Problemen ihre Meinung zu äußeren.

Trotz der Vielzahl an Mitteln und Gelegenheiten sich selbst durch soziale Medien und Onlinepetitionen darzustellen, bleiben die Londoner nur in geringem Maße in die Entscheidungen involviert, die sie jeden Tag betreffen. Nur 38% fühlten sich ausreichend motiviert, um 2012 zur Bürgermeisterwahl zu gehen. Nur in zwei Bezirken der gesamten Hauptstadt lag die Beteiligung der Wählerschaft bei knapp der Hälfte, während Barking und Dagenham mit etwas mehr als 19% den Tiefpunkt markierten.

In der Stadt, die das Zuhause des Parlaments ist, werden die wirklichen Entscheidungen meistens von nicht gewählten Beamten und Geschäftsleuten getroffen. Es gibt nur wenige Gelegenheiten für die Bürger, um ihre eigenen Vorschläge einzubringen. Ein parlamentarischer Sonderausschuss hat erst kürzlich die Unzulänglichkeiten des aktuellen Kontrollsystems angemerkt und mehr Macht für die London Assembly gefordert.

Der nächste Bürgermeister muss die Balance wiederherstellen und sichtbare, prominente Foren bieten, wo gewöhnliche Bürger ihre Ideen zur Verbesserung der Hauptstadt vorbringen und entwickeln können. Das muss dort stattfinden, wo die Menschen sind und nicht in den offiziellen Gegenden rund um das Rathaus oder die Gemeindeämter. Deshalb entstand die Idee der Verschwörungsschuppen: informelle Räume in unseren wichtigsten Hauptstraßen, wo Leute reinschauen und herausfinden können, was gerade passiert, wo sie bei neuen Vorschlägen mitreden können und wo sie sich mit anderen Treffen können, um eigene Ideen zu entwickeln.

Das Ziel der Verschwörungsschuppen wäre es die Gatekeeper zu umgehen, die nur allzu oft dafür sorgen, dass gute Ideen durch die Bürokratie erstickt oder zu politischen Spielbällen werden. Jeder ‚Schuppen‘ würde ein einladender, informeller und politisch neutraler Ort, der mit einem Minimum an Kosten geschaffen wird – zum Beispiel in dem leere Läden befristet gemietet werden – und zu dessen Personal ein Community-Organisator gehört, dessen Rolle es ist Gespräche zu fördern, Ideen zu entwickeln und lokale Bürger über Themen zu informieren, die sie betreffen könnten.

Der Vermittler wäre verantwortlich für das Zusammenfassen der von den „Verschwörern“ entwickelten Ideen. Er müsste sie dann dem Bürgermeister, lokalen Behörden oder gegebenenfalls Unternehmern zur Verfügung stellen und die lokalen Bürger über die jeweilige Antwort informieren. Die Rolle des Bürgermeisters wäre es, dass Netzwerk zu finanzieren und zu fördern, seinen unparteiischen Charakter zu schützen und dafür zu sorgen, dass jeder Vorschlag eine angemessene und respektvolle Antwort erhält – und Organisationen verantwortlich dafür zu machen, wenn sie es versäumen auf Vorschläge zu reagieren.

Ein Netzwerk aus Verschwörungsschuppen ist nötig, weil politische Parteien und Unternehmensnetzwerke im Industriezeitalter-Model der Verantwortlichkeit stecken geblieben sind, in einem Digitalzeitalter, das zunehmend durch Informalität und Ad-Hoc-Aktivitäten angetrieben wird. Die ‚Schuppen‘ schaffen einen Raum, wo das informelle, soziale Netzwerken die Bedürfnisse nach Lokalität und kreativer Energie des persönlichen Kontakts erfüllt.

Es gibt zahlreiche Experimente von denen wir lernen können: Initiativen wie Work Shop in Lambeth oder Make:Shift in Wolverhampton zum Beispiel. Der Unterschied ist, dass keine seltsamen Events und Projekte veranstaltet werden, sondern dass solch ein Ansatz für Teilhabe und Kontrolle zum Alltag werden würde, wie Dinge in London angegangen werden.

Darüber hinaus würde es dort Kuchen geben. Und Kaffee. Und bequeme Sessel. All die Dinge, die Bürgerbeteiligung angenehm und interessant machen könnten – lieber als etwas, dass von mürrischen alten (und nicht so alten) Männern dominiert wird.

Julian Dobson ist Leiter von Urban Pollinators und war Mitgründer und Herausgeber des New Star Magazine. Er lebte 16 Jahre lang im Londoner Osten und twittert unter @juliandobson.

Bild von steve p 2008