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Sind öffentliche Verkehrsmittel und Radfahren die Verkehrslösung für Caracas?

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Caracas, die Hauptstadt Venezuelas, liegt in einem engen Bergtal und ist eine überfüllte Stadt mit mehr als 5 Millionen Einwohnern, wovon ein Teil in nur schlecht angebundenen Barrios lebt. Steile Treppen, private Jeeps, lange Wege und mehr als vier Stunden Fahrtzeiten sind nur ein paar Fakten, mit denen die Einwohner dieser Gegenden alltäglich konfrontiert sind.

Venezuela hat weltweit das billigste Benzin, was wiederum der Grund dafür ist, das mehr als knapp eine Millionen Autos jeden Tag in Caracas unterwegs sind. Als Ergebnis leiden die Straßen der Hauptstadt unter Staus, Umweltverschmutzung und Lärm. Für eine 5 Kilometer lange Strecke braucht man buchstäblich mehrere Stunden Geduld – während Ampeln, Fahrbahnbegrenzungen und Verkehrszeichen völlig ignoriert werden.

Diese Stadt braucht ein günstiges und gut angeschlossenes öffentliches Verkehrssystem abgesehen von den privaten Autos. Die Leute müssen die öffentlichen den privaten Verkehrsmitteln vorziehen. Im Jahr 2010 wurde die Metrocable of San Agustín eröffnet, aber noch immer hat sie nicht ihre maximale Auslastung erreicht; die lokalen Bewohner gehen teilweise lieber zu Fuß den Berg runter anstatt für eine Fahrt zu zahlen. Auch Seilbahnen werden nach wie vor kontrovers diskutiert – wie zum Beispiel in Rio de Janeiro, wo die Bürger von Morro da Providência gerade gegen eine neue Seilbahn protestieren.

Anfang des Jahres gelangte ein neues Stück Verkehrsinfrastruktur nach Caracas: die Cabletren Bolivariano ist eine automatisierte Personenbeförderung auf Schienen, die in Petare, dem größten Barrio Lateinamerikas, zu finden ist. Dieses neue System arbeitet am Fuß der Berge und dient geschätzten 150.000 Einwohnern, in dem es ihnen eine Anbindung an die öffentlichen Verkehrsmittel ermöglicht. Die Cabletren of Petare ist 2,4 km lang und es gibt aktuell 5 Stationen. Sie kostete 400 Millionen Dollar, was so viel bedeutet, dass jeder Kilometer 166 Millionen Dollar kostet. Das ist der Grund, warum die Bewohner aus anderen Stadtteilen völlig unzufrieden sind und behaupten, dass die Metro von Caracas und das öffentliche Verkehrssystem noch immer mangelhaft sind.

Auch wenn venezolanische Einrichtungen große Anstrengungen unternommen haben neue Wege der Beförderung und Mobilisierung zu implementieren, so muss die Stadt immer noch das Bewusstsein für die Bedeutung des öffentlichen Verkehrs erhöhen, um andere Alternativen zu fördern.

The funicular of Petare's Cabletren is seen as commuters travel in it at the slum district of Petare in Caracas

CableTren Bolivariano. Foto: Reuters, Carlos Garcia Rawlins

The funicular of Petare's Cabletren is seen as commuters travel in it at the slum district of Petare in Caracas

CableTren Bolivariano. Foto: Reuters, Carlos Garcia Rawlins

In Caracas gab es viele Jahre eine autofreie, schnelle und günstige Initiative mit dem Namen La Cota Mil – große Teile der Autobahn wurden Sonntags von 5.00 Uhr bis 13.00 Uhr für den Verkehr geschlossen. Stattdessen machten sich Radfahrer, Läufer, Fußgänger und Skateborader die Straße zu Eigen und verwandelten sie in einen öffentlichen Raum, der für sauberen Verkehr, gesundes Leben und stärkere Gemeinschaften warb. Die Verbesserungen für Fahrradfahrer in unserer Stadt können daher auch von zwei unterschiedlichen Richtungen aus ausgehen: von politischer Ebene und von der Bevölkerung aus.

Caracas ist jetzt noch nicht zum Radfahren geeignet, aber Schritt für Schritt nimmt die Schaffung von Ciclovias – also Fahrradaktivitäten und die Mietung von Fahrradausrüstung – zu. Das Rad zu nehmen liegt nun im Trend und manche Leute ziehen das Radfahren schon dem Autofahren vor. Sie wollen die gesamte Stadt spüren, und nicht nur einen Teil.

Junge Bewegungen haben bereits damit angefangen diese Prinzipien in Venezuela zu fördern: Una Sampablera por Caracas ist ein städtisches Kollektiv, dessen Ziel es ist Maßnahmen und Überlegungen in der ganzen Stadt durchzuführen und zu unterstützen. Sie organisieren Radtouren für die Bewohner und ihre Idee dabei ist, die Stadt aus einem anderen Winkel zu betrachten. Eine andere interessante Gruppe nennt sich Ciclo Guerrilla Urbana und wurde vor mehr als zwei Jahren ohne Unterstützung durch private oder öffentliche Einrichtungen gegründet. Zweiwöchentlich lehren sie an der BiciEscuela Urbana (Städtische Fahrradschule), wie man Rad fährt und wie man sich beim Radfahren in der Stadt verhält. Ihre Stunden sind kostenlos und finden auf einem Parkplatz der Zentralen Universität von Venezuela statt. Sie unterstützen außerdem eine städtische Nachtrundfahrt auf Rädern, die jeden letzten Mittwoch eines Monats stattfindet.

Die Schaffung von Ciclovias in Caracas steigt seit kurzem an und Stück für Stück machen immer mehr Radfahrer eine neue Erfahrung .Denn es ist nicht nur wichtig für das Fahrrad als alternatives Verkehrsmittel zu werben, sondern durch dieses auch die Stadt anders zu erleben.

Die venezolanischen Städte befinden sich an einem kritischen Wendepunkt. Die, die das Wissen haben, sind verantwortlich dafür ihre Kenntnisse zu teilen und das Bewusstsein zu fördern – zusammen mit denjenigen, die die Macht haben neue Alternativen zu schaffen, die die Nutzung von privaten Autos reduziert. Ein Rad ist kleiner als ein Auto, es benötigt kein Benzin, es verursacht keine Verschmutzung und es ist gesünder. Es ist möglich freundlichere Städte zu bauen, von denen die gesamte Bevölkerung profitiert. Die Menschen verdienen bessere Städte, denn sie haben das Recht auf ein besseres Leben.

Tere García Alcaraz ist Architektin und Bauexpertin aus Barcelona. Sie hat Forschungs- und Arbeitserfahrungen in Ecuador; Venezuela, Spanien und Großbritannien gesammelt. Sie wohnt in London. 

Foto von ciclicstaurbanoccs