DeutschEnglish繁體中文EspañolFrançaisItalianoفارسیPortuguês

Warum die Ökonomie des Teilens eine große Chance für Städte ist

share_kids

Dieser Beitrag ist auch vorhanden auf: Englisch, Traditionelles Chinesisch, Französisch, Italienisch, Portugiesisch

 

Unsere Freunde bei Shareable haben kürzlich Strategien für gemeinsam nutzbare Städte veröffentlicht – ein Bericht darüber, wie städtische Führungspersonen durch politischen Wandel eine gemeinsam nutzbare Wirtschaft fördern können. Wir hatten die Chance, dem Shareable-Mitgründer und Mitautor des Berichts Neal Gorenflo per Mail ein paar Fragen zu dem Projekt zu stellen und dazu, wie das Aufgreifen der Ökonomie des Teilens der nächste logischen Schritt für Städte ist.

This Big City: Könntest du damit anfangen den Lesern von This Big City ein wenig über die Ökonomie des Teilens zu erzählen und warum du glaubst, dass diese so eine große Chance für Städte ist?

Neal Gorenflo: Für uns ist die Ökonomie des Teilens eine Ökonomie der Menschen. Sie ist finanziert, im Besitz und demokratisch kontrolliert von den Menschen denen sie dient. Sie ist eine dritte Möglichkeit das Leben zu organisieren und liegt zwischen dem Markt und dem Staat.

Allerdings kehrt sie den üblichen Zustand, in dem die Wirtschaft das absolute Ende in der Gesellschaft ist, um. Stattdessen ist die Ökonomie des Teilens ein Mittel zum Zweck. Sie hat das Potential unsere Freiheit zu vergrößern, indem sie die Ressourcen minimiert, die benötigt werden um unser Leben zu leben. Am Ende werden die Menschen frei darin sein, das zu tun, was immer ihnen die meiste Zeit die meiste Erfüllung bereitet.

Das sind in der Regel Dinge wie Familie, Gemeinschaft, Spiritualität, Gesundheit, Kunst, Lernen, Gemeindeleben, etc. Mit anderen Worten Aktivitäten, die über die Zeit für eine steigende Zufriedenheit sorgen. Im Gegensatz dazu sorgt das Ansammeln von Waren mit der Zeit für eine abnehmende Zufriedenheit. Das ist der Grund warum die Konsumkultur ausweglos ist. Unterm Strich ist also die große Chance für Städte, ihre Bürger dabei zu unterstützen eine neue, befreiendere und feierlichere Erfahrung in den Städten zu schaffen.

Für uns wirft die Ökonomie des Teilens die Frage danach auf, “wie das Leben in Städten sein würde, wenn wir größtenteils von dem was wir heute unter Arbeit verstehen befreit wären?“ Ich denke, wir sollten unsere Zeit damit verbringen das zu tun was wir lieben, mit den Leuten die wir lieben, an den Orten die wir lieben. Wir würden unsere Zeit damit verbringen, etwas zu unserer Gemeinschaft beizusteuern. Ich kann mir nicht besseres vorstellen. Wofür sonst sollten Städte da sein?

Wie auch immer, das ist die Vision von Shareable. Manche würden die Ökonomie des Teilens eher als etwas Technologisches bezeichnen, als Zugang zu Eigentum. Das ist ein Teil davon, aber nochmal, Technologie und Zugang sind ein Mittel zum Zweck, nicht das Ziel.

Der Bericht untersucht vier Themengebiete – Verkehr, Ernährung, Wohnen und Arbeiten. Gibt es noch andere Bereiche, in denen die Ökonomie des Teilens die Lebensweise der Menschen verändern könnte? 

Ja definitiv, das ist erst der Anfang. Ernährung, Wohnen und Verkehr sind die drei größten Haushaltsausgaben in den USA. Und mit Arbeiten verdienen die meisten Menschen ihr Einkommen. Das sind gute Stellen um anzufangen.

Wir könnten auch Branchen wie Energie, Telekomunikation und Finanzen anschauen. Dort gibt es auch Lösungen aus der Ökonomie des Teilens. Wir brauchen einen Ansatz dazu, wie der politische Prozess geöffnet werden kann. Zum Beispiel setzen wir uns für Bürgerhaushalte ein, bei denen Bürger entscheiden können, wie das städtische Budget in ihrer Nachbarschaft ausgegeben wird. Und für Kultur und Freizeit könnten wir uns die notwendigen Infrastrukturen, wie die Maßnahmen zum Ausbau des öffentlichen Raumes, anschauen.

Dein Bericht erwähnt auch, dass rechtliche Hürden die Ökonomie des Teilens ausbremsen. Wie, wenn überhaupt, kann man diese überwinden?

Der Report ist ein Leitfaden, aber auch ein Aufruf zum Handeln. Teilen ist eine große Chance für positive Veränderungen. Nimm zum Beispiel Car-Sharing. Jedes geteilte Auto ersetzt 13 eigene Autos. 50% der neuen Car-Sharing-Nutzer, die Mitglied werden um Zugang zu einem Auto zu bekommen, hatten vorher noch keinen Zugang zu einem. Und für alle 15.000 Autos, die aus dem Eigentumsregister gelöscht werden, kann eine Stadt jährlich geschätzte 127 Millionen Dollar in der lokalen Wirtschaft halten.

Was wäre, wenn ein Großteil der Wirtschaft so agieren würde? Wir könnten den Ressourcenverbrauch radikal verringern, während wir gleichzeitig den Zugang zu Ressourcen radikal erhöhen und die lokale Wirtschaft stärken würden. Es gibt keine andere Strategie, die die zwei größten Probleme der Gesellschaft – Armut und Klimawandel – zur gleichen Zeit angehen kann. Wir können Wohlstand durch Teilen anstatt durch Wachstum erzielen.

Und die Sache ist, dass die meisten unserer Vorschläge weder kontroverse, noch parteiische, sondern praktische Lösungen sind. Trotz der im Fokus der Öffentlichkeit stehenden rechtlichen Streitigkeiten der Haus- und Fahrrad-Sharing Firmen Airbnb und Sidecar, ist der Weg zu einer Ökonomie des Teilens weitestgehend offen. Shareable hat gerade erst das Sharing Cities Network gestartet, um Menschen mit dieser Vision zusammenzubringen.

share_bike

Viele Gesetze werden auf lokaler Ebene geregelt und du hast gesagt, dass amerikanische Städte wie Cleveland, Austin, Chicago, New York und San Francisco einen guten Job bei der Förderung von städtischem Teilen machen. Was können andere Städte von diesen Lernen? 

Wir könnten das meiste von Seoul in Südkorea lernen, wo Bürgermeister Park die beeindruckende Initiative „Seoul, The Sharing City.“ gestartet hat. Es ist umfassender Plan Seouls Einwohnern beim Teilen zu helfen. Eine der größten Ziele ist es, eine Gemeinschaft in Seoul aufzubauen und so Selbstmorde zu reduzieren. Südkorea hat die höchste Selbstmordrate aller 30 OECD-Länder. Die Selbstmordrate ist eng verknüpft mit der zunehmend im westlichen Stil agierenden, wettbewerbsorientierten Wirtschaft. Bürgermeister Park’s Plan beinhaltet die Finanzierung von Sharing-Startups, das Fördern von Sharing-Unternehmen und vieles mehr.

Wir können auch viel von Regionen wie der Emilia-Romagna in Italien und dem Baskenland in Spanien lernen, die sich zu einem wirtschaftlichen Entwicklungsmodell verpflichtet haben, das auf Kooperativen basiert. Große Teile dieser regionalen Wirtschaften bestehen aus arbeitnehmereigenen und -gemanagten Kooperativen (30% und 60% jeweils). Das führt zu einer dauerhafteren Beschäftigung, stabileren Gehältern und einer belastbareren lokalen Wirtschaft im Allgemeinen.

Cleveland passt dieses Modell für seine lokale Wirtschaft an und bindet die kooperative Entwicklung an „Ankerinstitutionen“, wie Universitäten und Krankenhäuser. Die Evergreen Kooperativen in Cleveland bedienen lokale „Ankerinstitutionen“ mit alternativer Energie, grüner Wäscherei und biologischer Verpflegung.

Welche Projekte aus dem Report sind deine Favoriten?

Im Bereich Verkehr, mag ich das kostenlose Parken für Car-Sharing. Es ist so einfach, die Auswirkungen von Car-Sharing sind wie oben beschrieben riesig und das ist das, was Car-Sharing Firmen in San Francisco am meisten von der Stadt wollen – und wette, dass das auch woanders der Fall ist.

Im Bereich Ernährung mag ich die Strategien, die helfen die lokale Nahrungsmittelwirtschaft zu stärken. Zum Beispiel die Erlaubnis, bestimmte Arten von Lebensmitteln in Küchen zu Hause herstellen zu lassen, was geteilte Großküchen unterstützt und städtisches Land für urbane Landwirtschaft verfügbar macht. Diese Strategien können lokale Jobs schaffen und erhöhen die Verfügbarkeit von gesunden Lebensmitteln.

Im Bereich Wohnen ist kooperatives Wohnen mein absoluter Favorit, weil  es möglichweise die beste Lösung ist, um bezahlbaren Wohnraum in Städten zu schaffen. New York City hat eine lange Geschichte mit Wohnungskooperativen, aber wir können vielleicht mehr von europäischen Städten, wie zum Beispiel Wien, lernen. Wien hat fast hundert Jahre Erfahrung mit modernem öffentlichem und kooperativem Wohnen.

Im Bereich Arbeiten geht es auch um Kooperativen. Das kooperative Model wird seit den 1930ern erfolgreich genutzt, um ländliche Gegenden in den USA zu entwickeln. Es wird Zeit, dieses kooperative Model auch in Städten zu nutzen. Kooperativen bleiben lokal, zahlen bessere Gehälter und überleben wirtschaftliche Rezensionen besser. Die Geschichte zeigt, es ist ein großartiges Langzeit-Investment für Städte.

Bilder von bengrey und Steven Vance