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Warum Tech-Hubs essentiell für Afrikas Zukunft sind

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Dieser Beitrag ist auch vorhanden auf: Englisch

Von Adam Oxford von Green Futures

Afrikas Tech-Szene wächst. Überall auf dem Kontinent lassen Hubs, Labs und Co-Working-Spaces Oasen der Innovation entstehen. Diese Begegnungsstätten dienen als Brücken zwischen Technologie-Startups, Investoren und Wissenschaftlern, die die Zusammenarbeit fördern. Existenzgründer experimentieren zusammen und lernen voneinander und werden dabei durch die IKT-Infrastruktur und Patenschafts-Programme der Hubs unterstützt. Die Ergebnisse – vom “Crowd-Mapping”- Werkzeug Ushahidi über selbstgebaute Solar-Heizkörper bis hin zu einer Bauerngenossenschaft – stärken die gemeinschaftlich gelenkten Lebensmittel- und Energiesysteme, und bringen neue Stabilität in die lokale Wirtschaft.

Im Februar 2012 hat der sambische Hub Bongohive Ushahidi dazu verwendet eine Karte von allen afrikanischen Tech-Hubs zu erstellen, die insgesamt 29 Organisationen zum Vorschein brachte. Heute listet die gleiche Karte 91 Hubs, Innovationszentren, Hacker Spaces und Gründerzentren auf. Viele von Ihnen brauchen fremde Hilfe um zu wachsen und erfolgreich zu sein – und das ist genau das, was der neue panafrikanische “Hub der Hubs”, genannt AfriLabs, ermöglicht.

Ins Leben gerufen von ein paar der größten Namen in Afrikas IT-Landschaft und unterstützt durch die NGO Hivos, versucht AfriLabs gemeinsame Ziele der Hubs über nationale Grenzen hinweg zu identifizieren und dabei zu helfen, diese durch die Bündelung von Aufwänden auch zu erreichen. Seit seiner Gründung 2011 haben sich 19 Hubs angemeldet, die bereit sind sich zu vernetzen, voneinander zu lernen und von geteilten Ressourcen zu profitieren. Zusammen werden diese Hubs deutlich bessere Chancen haben technologische Lösungen, für ein paar der größten Probleme mit denen dieser Kontinent konfrontiert ist, zu entwickeln. Das ist die beachtliche Zielsetzung von AfriLabs.

Es wird einiges an Koordination brauchen – eine Herausforderung die AfriLabs neu ernannte Geschäftsführerin Tayo Akinyemi begeistert. Als Amerikanerin mit nigerianischer Abstammung ist Akinyemi überzeugt vom Potential der Entrepreneure die wirtschaftliche Landschaft Afrikas zu verändern. “Themen wie Ressourcenknappheit, mögliche Auswirkungen des Klimawandels, das Fehlen von Energie, Ernährungssicherheit und Landwirtschaft anzupacken: für unsere Mitglieder sind das reale Geschäftsmöglichkeiten”, sagt sie.

Laut Akinyemi ist AfriLabs im “Wesentlichen ein Ausdruck der persönlichen Vision der fünf Mitgründer [Bart Lacroix vom 1% Club, Bill White von VC4Africa, Erik Hershman von iHub, Bill Zimmermann von ActivSpace und Jon Gosiers Hive Colab]. Jeder von ihnen hat bereits Hubs in Afrika gegründet. Sie haben gemerkt, dass sie ähnliche Interessen haben und das Hubs plötzlich überall wie Pilze aus dem Boden schießen.”

Als die Mitgründer realisierten, dass die Organisation mehr als ein Teilzeitjob ist, wendeten sie sich an Akinyemi. Sie begann ihre Karriere bei Catalyst, einer in New York beheimateten gemeinnützigen Organisation, die Unternehmen dabei hilft Umgebungen zu schaffen, die Frauen fördern und Ihre Chancen verbessern. Vier Jahre später nahm Sie ein Princeton in Africa Stipendium an, welches durch ein einjähriges Stipendium bei Organisationen auf dem afrikanischen Kontinent  junge Führungskräfte entwickelt, die sich für die Förderung Afrikas einsetzen. Die Hoffnung ist, dass diese Erfahrung sich in eine lebenslange Verpflichtung für Afrikas Angelegenheiten wandelt.

In Akinyemis Fall scheint die Rechnung aufzugehen. In der Zeit, wo Sie bei einer internationalen NGO in Abuja, Nigeria arbeitete, entwickelte sich ihr Interesse an den Themen Geschäfts- und Wirtschaftsentwicklung und gipfelte letztendlich in einem MBA mit dem Titel Sustainable Global Enterprise. Seitdem hat sie sich darauf konzentriert zu verstehen, wie Unternehmen aufgebaut und entwickelt werden, wobei sie mit Unternehmen aus Afrika, den USA und Lateinamerika zusammen gearbeitet hat. Ihre Geschäftsstrategie für ein Zuckerrohr-Ethanol Projekt in Mosambik, das die Gemeinschaft teilhaben lässt, war einer ihrer großen Erfolge: Ihr Bemühen half dabei, den positiven sozialen Einfluss mit einer soliden wirtschaftlichen Idee zu verknüpfen. Ein Ziel, dass viele Startups aus Afrikas Tech Hubs teilen.

Akinyemis Hauptaufgabe in ihrer neuen Position ist es Startups dabei zu helfen schnell Partner zu finden, die Ihnen wiederum beim Wachstum helfen. “Startups entstehen, weil sie eingebettet sind in Gemeinschaften, die dafür sorgen, dass Menschen und Investitionen zusammenkommen”, sagt sie. “Ich sehe AfriLabs als eine Möglichkeit Ressourcen zu sammeln und zu verteilen. Das heißt, wenn du ein Investor oder ein Unternehmensgründer aus St. Louis im Senegal bist ist es unter Umständen nicht direkt klar, wohin du dich wenden musst, wenn du am Flughafen stehst und nach einem geeigneten Partner oder Lieferanten suchst. Aber wenn du einen Hub hast, ist es deutlich einfacher all die Mittel zu finden die du benötigst.”afrilabs Ein Hub von AfriLab hilft seinen Mitgliedern bereits Ressourcen zu ermitteln, die auf nationaler Ebene ausgetauscht werden können. Nairobi’s iHub, welcher die Entwicklung von Ushahidi beschleunigt hat, veranstaltet zum Beispiel einen wöchentlichen Green Breakfast Club für lokale Unternehmen. Diese Veranstaltungen bestehen aus Keynotes von Nachhaltigkeitsexperten, gefolgt von einer Ressourcen-Börse, wo jeder Teilnehmer sein Unternehmen und die entsprechenden “Angebote” und “Nachfragen” vorstellen kann. Diese Information wird wiederum in eine Ressourcen-Börsen-Liste umgewandelt, die dann anschließend an alle Teilnehmer verteilt wird.

ActivSpaces, ein weiteres AfriLabs Mitglied hat dabei geholfen Agro-Hub zu gründen. Eine Bauerngenossenschaft, die die Armut unter den Bauern in Kamerun bekämpft. Die Kooperative versorgt lokale Erzeuger mit Preisinformationen und landwirtschaftlichen Tipps per SMS. Im März 2012 hat Agro-Hub auch den Bauernsupermarkt Agro-Mart gegründet, der Bauern dabei helfen soll mehr Geld für Ihre geleistete Arbeit auf dem Feld zu bekommen. Agro-Mart beliefert heute Hotels, Restaurants und andere Händler und Exporteure. Außerdem gibt es Pläne für ein Franchise, welches vielleicht die Nahrungsmittelkette auf dem gesamten Kontinent verändern wird.

In vielen Hubs sitzen Projekte, die die Lifestyle-Erwartungen der lokalen Bevölkerung ansprechen – vom Einkaufen bis hin zur Unterhaltung – direkt neben Lösungen für Energie, Wasser und Nahrungsmittel – zum Beispiel beim ugandischen Hub Hive Cola. Er beheimatet Projekte wie Bet OTM, einen Sportwettenanbieter für Handys und hält gleichzeitig Treffen zu Themen wie dem Klimawandel ab. Zudem half er bei der Entwicklung des WASH Reporters, einem Werkzeug, das es der Öffentlichkeit möglich macht, über Krisen im Zusammenhang mit Abwasserentsorgung und Gesundheit zu berichten.

Die Arbeit der Hubs ist ins Auge von internationalen Investoren geraten. Microsoft hat erst kürzlich einen 75 Millionen Dollar schweren CSR-Fonds mit dem Namen 4Afrika angekündigt. Ein Teil davon ist für die Startup-Finanzierung der AfriLabs Mitglieder iHub und m:lab vorgesehen. Andere Tech-Multis haben ähnliche Investitionen getätigt: wenig überraschend, wenn man bedenkt, dass Afrika sechs der zehn am schnellsten wachsenden Volkswirtschaften der letzten zehn Jahre beheimatet (laut McKinsey).

Die Fähigkeit des afrikanischen Technologie-Sektors hochkarätige Investments anzulocken wird teilweise auch durch die Verbesserung der IT-Infrastruktur auf dem gesamten Kontinent verursacht. Bis 2009 wurden Startups durch eine chronische Unterversorgung mit Anschlussmöglichkeiten ausgebremst. Eine einzige Verbindung um die Westküste herum mit einer maximalen Kapazität von 340Gbps (Gigabytes pro Sekunde) bedeutete, dass mehr als eine halbe Milliarden Menschen die gleiche Bandbreite teilten wie alle Einwohner der Niederlande zusammen. In den letzten dreieinhalb Jahren ist diese Kapazität um mehr als das Hundertfache auf 35.000 Gbps gestiegen. Voraussichtlich wird sie sich bis Ende nächsten Jahres noch einmal verdreifachen.

Die Kapazitätszunahme hat die Hub-Bewegung regelrecht angeheizt. Akinyemi arbeitet sich gerade durch einen Stapel Bewerbungen für eine Mitgliedschaft bei AfriLabs. Um Mitglied auf der untersten Stufe zu werden, müssen Labs einen offenen Innovationsraum mit Zugang zu Breitband, sowie Tagungsräume und Arbeitsbereiche für bis zu 10 Mitglieder bereitstellen. Oberhalb dieser Grenze werden Labs auf Grundlage ihrer Mitgliederbasis, ihrer Erfolgsbilanz der veranstalteten Events, ihrer personellen und organisatorische Kapazitäten, ihres Managementteams und weiterer Faktoren bewertet. Das Ziel für AfriLabs ist es offen und nicht von vorneherein einschränkend zu sein, gleichzeitig aber auch die Labs dazu zu motivieren, ihre angebotenen Mittel zu verbessern und somit auf den Stufen der Mitgliedschaft aufzusteigen.

Was AfriLabs einen wirklichen Vorteil gegenüber den traditionellen IT-Dienstleistern gibt ist die Ebene der Unterstützung die die auf sozialen Aufstieg bedachten Jugendlichen erhalten. Akinyemis Verständnis für ihre Bedürfnisse war ein Schlüsselfaktor in der Entscheidung der Gründer sie als Geschäftsführerin zu berufen. “Afrika ist jung”, sagt sie, “Und es ist in der Art und Weise jung, das die Schaffung von formalen Vollzeitjobs nicht Schritt hält mit dem Bedarf. Es ist wichtig das sich der Unternehmergeist entwickelt und das junge Leute merken, dass Sie sich Ihre eigenen Chancen schaffen können.”

Manche Kommentatoren sind skeptisch und der Meinung, dass ein zu stark auf schnelle Lösungen fokussiertes unternehmerisches Denken junge Entwickler davon abhalten wird, die Art der systematischen Probleme anzugehen, die Geduld und langfristiges Denken benötigen um behoben zu werden.

“Der durchschnittliche Tech-Gründer in den USA ist 42 Jahre alt. Der 22-jährige Zuckerberg macht nur ein Hundertstel Prozent aus”, sagt Roy Singham, Gründer von Thoughtworks, einer multinationalen Softwarefirma mit Büros in Johannesburg. “Wir müssen vielmehr ein Gefühl für Kompetenzen jenseits von Sozialkapital, Management-Kapital und Geschäftsmodellen schaffen.”

Dennoch, indem die Infrastruktur und das soziale Kapital zur Verfügung gestellt wird, das die heutigen Unternehmer in morgige Erfolgsgeschichten verwandelt, ist ein übergeordnetes Gefühl der Gelegenheit – mit Fähigkeiten die es zu matchen gilt – vielleicht genau das, was AfriLabs erreicht.

Der Originalartikel erschien in Green Futures, dem Magazin der unabhängigen Nachhaltigkeitsexperten von Forum for the Future. Das Titelbild ist von Chris Smyth, die Karte von Afrilabs.