DeutschEnglish繁體中文EspañolFrançaisItalianoفارسیPortuguês

Weltweiter Vergleich der Fußgängerfreundlichkeit in Städten

andgo

Dieser Beitrag ist auch vorhanden auf: Englisch

Wir leben in einer Welt, die sich mit erstaunlicher Geschwindigkeit verstädtert: Vor 100 Jahren haben gerade einmal  20% der Menschen in Städten gelebt, bis zum Jahr 2010 waren es mehr als die Hälfte der Weltbevölkerung und bis 2050 wird erwartet, dass die Zahl auf 70% steigen wird. Da die Überbevölkerung in diesen Megastädten stetig zunimmt, kämpfen deren Transportsysteme damit, allein die schiere Masse an Menschen die sich fortbewegen wollen zu bewältigen. Zahlreichen Städten weltweit wird gerade klar, dass sie begeh- und (mit dem Rad) befahrbar werden müssen, einfach nur um in der Zukunft noch zu funktionieren.

Da jedes Land einen leicht anderen Ansatz geht, um fußgängerfreundliche Städte zu schaffen, arbeitet eine weltweite Organisation daran Stadtverwaltungen, Bürger und Gemeinden zu vernetzen und zu stärken und somit eine fußgängerfreundliche Zukunft zu gestalten. Walk21 ist ein gemeinnütziger Verein mit der Vision „ eine Welt zu schaffen, in der Menschen das Gehen als eine Möglichkeit zum Fortbewegen, Gesund leben und entspannen nutzen wollen und können“. Seit seiner Gründung 2000 hat Walk21 bereits in über zehn Ländern eine jährliche, internationale Konferenz organisiert, welche zur weltweit führenden Konferenz bei den Themen Zufußgehen, Fußgängerfreundlichkeit und städtische Bewohnbarkeit geworden ist. Walk21 hat sich auch für die International Charter for Walking eingesetzt, die von über 4000 Menschen und Organisationen, sowie mehreren Bürgermeister und Stadtverwaltungen unterzeichnet wurde. Die Charta zu unterzeichnen bedeutet sich zu folgenden Punkten zu verpflichten:

  • Inklusive Mobilität
  • Integrierte Netzwerke
  • Weniger Verbrechen
  • Förderung des Gehens
  • Räume für Menschen
  • Raumentwicklung
  • Unterstützte Behörden
  • Reduktion von Straßengefahren

angelo_desantis_street

Ein weiteres Beispiel dafür, dass Walk21 in der weltweiten Lauf-Bewegung vorangeht, ist die Arbeit an der Vergleichbarkeit von  Fußgängerfreundlichkeit in den Weltstädten. Das „Making Walking Count“ Projekt misst dabei anhand verschiedener Schlüsselindikatoren, wie fußgängerfreundlich die Städte jeweils sind:

  • Aktivität von Fußgängern und das Leben im öffentlichen Raum
  • Fußgängerbarrieren
  • Wahrnehmung der Menschen hinsichtlich Fußgängerfreundlichkeit
  • Projekte, die die Fußgängerfreundlichkeit fördern
  • Anteil der Verkehrsausgaben für das Thema „Zufußgehen“

Jede Stadt kann dabei sehen, wie sie im Vergleich zu anderen Weltstädten abschneidet und in welchen Bereichen sie sich verbessern muss. Bisher hat das Projekt London, Barcelona, Kopenhagen und Canberra verglichen, sowie New York und Stuttgart überprüft. Die Benchmarking-Ergebnisse zeigen, dass Kopenhagen die Stadt war, in der Menschen die meiste Zeit des Tages Gehend verbracht haben (52 Minuten am Tag), dicht gefolgt von Barcelona mit 48 Minuten am Tag, London mit 33 Minuten und Canberra mit 26 Minuten.

Der Hauptgrund, warum die Menschen in den meisten Städten nicht Zufußgehen ist „der zu viele Verkehr“. Wenig überraschend gehen die Menschen in Kopenhagen nicht zu Fuß, weil sie lieber Rad fahren und in London sind knapp 40% der Leute aus Angst vor Kriminalität nicht zu Fuß unterwegs. Andere Gründe waren die Sauberkeit der Straßen (21%), der Mangel an zu Fuß erreichbaren Einrichtungen (20%) und die schlechte Qualität der Bürgersteige (19%). In Canberra gehen auf Grund schlechter Straßenbeleuchtung über 40% der Menschen nicht zu Fuß und in Barcelona sind für über 35% der Menschen die engen Gehwege ein Hindernis. In allen Städten deuteten die Befragten an, dass mehr Menschen zu Fuß gehen würden, wenn es in den Städten eine bessere Straßenbeleuchtung, weniger Verkehr und mehr Fußgängerübergänge gäbe.

frank_muller_munich

Die diesjährige Konferenz fand vom 11. bis 13. September in München statt und bot über 150 Präsentationen und Keynotes von „Walkability-Experten“ wie z.B. John Withelegg und Jason Roberts von Better Block. München ist bekannt als „Stadt der kurzen Wege“ und die Tatsache, dass über 75% der Einwohner Strecken, die kürzer als 1 km sind, lieber zu Fuß zurückzulegen, verdeutlicht dies. Als Teil der Konferenz hat die Stadt die International Charter for Walking unterzeichnet. Walkonomics war dieses Jahr auf der Konferenz in München dabei und hat Updates via Twitter und Facebook, sowie ein paar Blogbeiträge über die Highlights der Konferenz geliefert. Das heißt, wenn du dich auch in der weltweiten Walking Bewegung engagierst willst, dann unterzeichne die International Charter for Walking.

Bilder von Martin FischFrank MullerAngelo DeSantis.

Anm. d. Red.: Ursprungstext wurde vor der Konferenz veröffentlicht, daher wurde der letzte Absatz angepasst.