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Wie Google Earth in Rom bei der Bestandsaufnahme der urbanen Landwirtschaft hilft

South Rome City Farm

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Der urbanen Landwirtschaft werden zahlreiche positive Effekte in Städten zugeschrieben, wie der Zugang zu frischen Lebensmittel,  Agrarbiodiversität und die Verbesserung sozialer und kultureller Beziehungen. Wie in vielen anderen Regionen nehmen Aktivitäten der urbanen Landwirtschaft auch in Rom zu, aber bisher gab es nur wenige Versuche eine Bestandsaufnahme davon zu machen (z.B. Gemeinschaftsgärten, informelle Gemüsebeete, städtische Farmen, etc.). Ein paar Kartierungsansätze gibt es bereits, aber bisher fehlt es allen an einer etablierten Methode zur Aufstellung eines kompletten Bestandes.

Forscher vom Nationalen Institut für Agrarwirtschaft (INEA) haben vor kurzem eine Methode entwickelt, bei dem die Kartierung von kultivierten Parzellen in einer Stadt mit Hilfe von Bildauswertung und der Nutzung von Web-Kartierungsdienste wie Google Earth, Google Maps und Microsoft Bing Maps erfolgt. Google Earth wurde dabei als Basiswerkzeug zur visuellen Interpretation und Digitalisierung genutzt, während von anderen Diensten Zusatzfeatures genutzt wurden, um die Erkennung von kultivierten Flächen zu verbessern (zum Beispiel die „Vogelperspektive“ von Microsoft Bing Maps).

Zusätzlich wurden alle ergänzenden Daten, die für diese Gegend vorhanden sind, in den Web-Kartierungsservice integriert, um die Erkennung von urbanen Landwirtschaftsflächen zu verbessern – was es ermöglichte, die Bodenbedeckung und in manchen Fällen auch die Landnutzung zu definieren. Die Bewertungsgenauigkeit der Geodaten basiert auf einem physischen Feldcheck und einem „virtuellen Feldcheck“, der mithilfe von „Google Street View“-Bildern realisiert wurde. Der digitale Ansatz ermöglicht ein kosten- und zeitsparendes Ergebnis in Bezug auf die Katalogisierung einer großen Metropolregion.

South Rome CIty Farm 2

Gemeinschaftsgarten in der Nähe eines Wohngebietes. Die kultivierten Parzellen werden durch Bachläufe und nicht kultivierte Bereiche getrennt (Arundo donax). Bild von Giuseppe Pulighe, 2014. 

Ein ähnlicher Ansatz wurde in Chicago erfolgreich umgesetzt und hat gezeigt, dass Google Earth beim Aufspüren von kultivierten Gegenden im urbanen Kontext hilfreicher  ist, als automatische oder halbautomatische Verarbeitungsverfahren für Fernerkundungsbilder.

Die aktuelle Version der Datenbank enthält mehr als 4000 Vielecke mit einer kultivierten Fläche von insgesamt 400 Hektar, die sich über knapp 350.000 Hektar verteilen. Die Vielecke wurden durch die Interpretation von hochauflösenden Google Earth Bildern aus den Jahren 2007 & 2013 entdeckt und ermöglichen eine weitere Analyse der zeitlichen Entwicklung dieses Phänomens. Zum Beispiel zeigen die Ergebnisse der diachronischen Analyse einen starken Anstieg bei der Anzahl der Wohn-Gärten (+13%) und deren relative bewirtschaftete Fläche (+2 Hektar).

Ein Ansatz, der auf der Integration von Web-Kartierungs-Diensten zur Schaffung von Landnutzungsdatensätzen setzt, ist kostengünstiger als die Verarbeitung von kommerziellen Fernerkundungsbildern. Die Bestandsaufnahme ermöglicht Administratoren Analysen zur Wechselwirkung zwischen landwirtschaftlichen Aktivitäten und städtischer Entwicklung – was im besten Fall zum Erlass von fundierten Richtlinien für ein grünes Stadtraum-Management führt.

Flavio Lupia ist  Mitglied des INEA – Istituto Nazionale di Economia Agraria